Europäisches Parlament: Verbesserung der Überlebenschancen von krebskranken Kindern und Jugendlichen in Europa

Ein wichtiger Schritt in diese Richtung wurde am 15. Dezember 2016 im Europaparlament gesetzt, als die Abgeordneten einem Verbesserungsvorschlag der Kinderarzneimittel-Verordnung (1901/2006), der die Entwicklung von Behandlungen für junge Menschen mit Krebs bedeutend beschleunigen würde, zustimmten.

Mit der Einführung der europäischen Kinderarzneimittel-Verordnung, die vor zehn Jahren in Kraft getreten ist, waren große Hoffnungen verbunden. Die Verordnung verlangt, dass im Rahmen der Entwicklung neuer Medikamente für Erwachsene die Wirkungsweise für die pädiatrische Population/Kinder und Jugendliche untersucht wird. Weil sich die Arten der Krebserkrankungen bei Erwachsenen und bei Kindern und Jugendlichen stark unterscheiden und es eine Ausnahmereglung außerdem ermöglicht, dem pädiatrischen Prüfkonzept auszuweichen falls es die Krankheit bei Kindern nicht gibt, hat die Verordnung leider nicht die erhoffte Wirkung gebracht und die Situation für Kinder und Jugendliche nicht verbessert. Als Folge davon sind in den letzten zehn Jahren nur zwei! neue pädiatrische Medikamente für krebskranke Kinder und Jugendliche entwickelt worden.

Es ist allerdings in der Medizin bekannt, dass zwei unterschiedliche Krebsarten durchaus ähnliche biologisch bedingte Eigenschaften haben können und dadurch auf das gleiche Medikament reagieren können. Beispielsweise könnte ein Medikament gegen Lungenkrebs bei Erwachsenen gleichzeitig auch in der Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit einem Neuroblastom wirksam sein.

Die Änderungsvorschläge der Verordnung 1901/2006 schaffen bessere Rahmenbedingungen für eine beschleunigte Entwicklung neuer Medikamente für Kinder, die auch diesen beschriebenen Wirkungsmechanismus berücksichtigen. Als Folge davon würden in Zukunft weit mehr neue Wirkstoffe auch auf ihren potenziellen Nutzen bei Kindern und Jugendlichen untersucht und diese würden von positiven Resultaten direkt profitieren, ohne dass die Pharmaindustrie Ausweichmöglichkeiten nutzen kann.

Krebs ist immer noch die häufigste Todesursache durch nicht übertragbare Krankheiten bei Kindern. 6000 junge Menschen in Europe sterben jährlich daran. Die verschiedenen Arten von Krebs im Kindesalter sind sehr unterschiedlich und meist selten. Folglich ist die Entwicklung von Medikamenten für Kinder und Jugendliche aus wirtschaftlicher Sicht für die pharmazeutische Industrie nicht von großer Bedeutung. Umso wichtiger ist es, dass die europäische Gesetzeslage die Forschung und Entwicklung von Medikamenten im Bereich der pädiatrischen Onkologie fördert.

Gratulation an SIOPe, Cancer Research UK und Unite2Cure, denen es innerhalb kürzester Zeit gelungen ist, eine akut notwendige und rasche Zusammenarbeit mit Eltern und Betroffenen, ForscherInnen und MedizinerInnen so gut vorzubereiten! Innerhalb weniger Tage wurden hunderte Briefe, mit der Bitte sich für den Verbesserungsvorschlag einzusetzen, an MEPs (Abgeordnete im Europäischen Parlament) aus zahlreichen Ländern versandt und haben sich zahlreiche Stakeholder an der Social Media-Kampagne „Let’s Do #More4KidsCancer“ beteiligt.
Together we are stronger! Das konnte auch hier wieder unter Beweis gestellt werden.

Lesen Sie hier auch die Presseaussendung der SPÖ-Europaabgeordneten Karin Kadenbach zu diesem Thema.