| Jenny berichtet: |
| In den Sommerferien 2000 war ich immer sehr müde und meine Gelenke taten mir weh. Ich ging zu meinem Hausarzt, der mir Blut abnahm und es untersuchen ließ. Das Blutbild ergab, dass irgend etwas in meinem Körper nicht stimmte. Darauf ließ ich mich zur genaueren Untersuchung in ein Krankenhaus überweisen - und dann ging alles sehr schnell. Schon am nächsten Tag wurde Leukämie festgestellt. Noch am selben Tag fuhren meine Eltern und ich nach Wien in das St. Anna Kinderspital. Ich habe das alles gar nicht so sehr gecheckt, aber ich dachte mir schon, ich muss was Schlimmes haben, denn meine Eltern weinten. Ich wurde dort ganz lieb begrüßt und bekam ein Zimmer. Die ganze Station war so lieb geschmückt mit Bastelarbeiten, dass ich gar nicht glauben konnte, dass ich in einem Spital bin. |
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Mein Papa konnte bei mir im Zimmer bleiben, Mensch da war ich aber froh. Na ja, am nächsten Tag bekam ich dann schon die erste Chemo und ich begann zu kotzen den ganzen lieben Tag, von Essen keine Spur mehr, das ging 5 Wochen so. Meine Eltern waren abwechselnd bei mir. Und in den 5 Wochen hat sich in meinem Ort vieles verändert, Mama erzählte mir, dass jeder, aber schon wirklich jeder von meinem Schicksal total geschockt war. Mama konnte nicht auf der Straße gehen ohne dass sie angesprochen wurde. Inzwischen war ja Schulbeginn. Ich muss ehrlich gestehen, was sich da auf einmal in meiner Schule, besonders in meiner Klasse abspielte, war der positivste Wahnsinn schlechthin. Ich bekam massenhaft Post und Glückwunschkarten, auch Schüler, mit denen ich mich nicht so gut verstanden habe, schrieben mir, ich war total gerührt, es tat so gut mit denen da „draußen“ in Verbindung zu sein. Täglich wartete ich schon auf den Postboten, und sie hatten immer Post für mich. Die Briefe wurden fein säuberlich auf einer Wand aufgehängt und ich war happy, wenn ich sie anschaute. Nach 5 Wochen kam ich das erste Mal nach Hause, bereits mit Glatze. Eine Schülerin kam mich besuchen. Sie musste eine Maske nehmen, aber das war ihr egal, denn ich durfte mich mit keinem Schnupfen oder Ähnlichem anstecken. Nach 4 Tagen musste ich schon wieder ins St. Anna zurück für 4 Wochen. In
der ganzen Zeit im St. Anna hatte ich Schulunterricht, ja ja, wenn man
krank ist, muss man auch lernen, aber wenn man sich wirklich sehr
schlecht fühlt, darf man auch stangeln. Ich kam zwischen meiner
Chemotherapie immer wieder nach Hause, und wenn ich daheim war und es
mein Immunsystem erlaubte (über 1000 Leukos) - Anruf genügte, und
meine alten neuen Freundinnen kamen, besonders 2 möchte ich erwähnen:
Eva-Maria und Christine. Sie waren zur Stelle für ein Plauscherl, wann
immer ich es wollte und mein Gemüt zuließ. Die waren einfach da für
mich und das tat sooooo gut. So dumm und blöd es auch klingen mag, aber
irgendwie genoss ich das, ich Jenny steh im Mittelpunkt.
Blöder Gedanke, aber wieso nicht das Beste daraus machen, wenn
einen das Schicksal schon so hart bestraft. Na ja, ich war dann mit
meiner Behandlung soweit, dass ich sehr viel ambulant machen konnte.
Schule! Na die ging auch weiter - ich hatte Hauslehrer so wie ein Mädchen
von den oberen 10.000. Ich
muss schon sagen, wenn man so krank ist, werden einen schon so manche Türen
geöffnet! Wenn ich da an den Max von Taxi Orange denke, der schon 2x im
St. Anna war, Sabine konnte ich treffen und Magenta auch. Und ich, ja
ich fuhr mit dem Taxi Orange das allerletzte Mal, danach wurde es
umlackiert. Ist
doch nicht schlecht, was man alles so erlebt, aber ich möchte schon
noch sagen, das waren insgesamt ein paar Stunden, wo ich so über und drüber
happy war. Insgesamt war es schon eine sehr harte Zeit mit dieser
Krankheit. Es ist jetzt ein Jahr her und ich gehe wieder zur Schule. Ich
wurde in der neuen Klassengemeinschaft super aufgenommen. Ich bin aber
weiterhin in Behandlung, aber das ist lange nicht mehr so intensiv.
Meine Haare sind wieder gewachsen, und es ist fast wieder so wie es früher
war. Zum Abschluss möchte ich noch sagen, man schafft fast alles, auch
eine schreckliche Krankheit, aber mit Unterstützung anderer - Familie
und Freundinnen - geht es
halt sehr sehr viel leichter. |